
Wir fürchten den US-Präsidentschaftswahlkampf mehr als eine zweite Infektionswelle
Langsam kehrt an den internationalen Börsen wieder so etwas wie Ruhe ein. Die Pandemie hat zumindest in Europa und weiten Teilen Asiens den Höhepunkt hinter sich. Selbst in den USA und Mittelamerika, wo Sars-Cov-2 weiter wütet, verliert die Gesundheitskrise nach und nach ihren Schrecken. Auch wenn die Angst vor einer zweiten Infektionswelle Bestand hat, so ist man sich an der Börse sicher, dass die Regierungen rund um den Globus nicht erneut zu so dramatischen Eingriffen wie zu Beginn der Pandemie greifen werden. Das Herunterfahren ganzer Volkswirtschaften wird so nicht mehr geschehen. Die dadurch versursachten Schäden sind schlicht zu gross, zumal die Medizin das neuartige Virus mit jedem Tag besser versteht und mit Hochdruck an Medikamenten und Impfstoffen geforscht wird. Die Pandemie hat die Weltwirtschaft härter getroffen als die Finanzkrise. Aber die Regierungen ud Notenbanken rund um den Globus haben mit aggressiven und schnellen Stützungsmassnahmen das Schlimmste verhindert. Wir gehen davon aus, dass sich vor allem in Europa und Amerika die Wirtschaft nach „The Great Lockdown“ schneller erholt als nach der grossen Depression in den 1930er Jahren. Wer in den vergangenen Tagen die Menschen beobachtet hat, erkennt, dass die Lebensfreude und damit auch die Konsumfreude schnell zurückkehren werden. Dies ist eine gute Nachricht für die Aktienmärkte. Wir sind davon überzeugt, dass die Börse – unter abnehmenden Schwankungen – in den kommenden Monaten weiter nordwärts tendiert. Auch die Stimmung, dies zeigen die jüngste Umfragen, hellt sich in der Wirtschaft und den Finanzmärkten auf. Nach der Q2-Bilanz rechnen wir zudem mit vermehrten Prognoserevisionen nach oben, was die Märkte zusätzlich anschieben sollte. Denn dann dürfte sichtbar werden, wie schnell sich die Wirtschaft nach dem Lockdown erholt – dies dürften die Unternehmen bereits in der zweiten Maihälfte und im Monat Juni spüren. Doch eine grosse Unsicherheit bleibt – wie schon vor der Pandemie: Die Unberechenbarkeit des amerikanischen Präsidenten. Seine Pistoleiro-Rhetorik in Richtung China lässt immer wieder die Sorge aufkommen, dass die USA die Gangart im Handelsstreit mit China erneut verschärfen. Dies ist vor allem angesichts der US-Präsidentschaftswahlen im November ein nicht zu unterschätzender Aspekt. Denn Trump dürfte versuchen, die Schuld an dem miesen Krisenmanagement seiner Regierung einem anderen in die Schuhe zu schieben. China ist dabei ein gern gesehenes Opfer. Denn bei seinen Wählern kommt dies immer gut an. Entsprechend sorgen wir uns mehr vor neuen geopolitischen Spannungen als vor den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie – diese dürften in der zweiten Jahreshälfte und 2021 gemeistert werden. Aber ein neuerlicher, noch härter geführter Handelskrieg zwischen den USA und China könnte die globale Wirtschaft tatsächlich in den Abgrund reissen!
Konklusion:
Wir bleiben optimistisch, was die konjunkturelle Erholung und die Aktienmarktentwicklung angeht. Grosse Sorge bereitet uns aber die Unberechenbarkeit des US-Präsidenten.