
Wirtschaft steht vor einer Schockstarre
Die Angst vor einer unkontrollierbaren Ausbreitung des Coronavirus ist in den vergangenen Tagen sprunghaft gestiegen. Nach China haben nun auch Südkorea und Italien drastische Massnahmen ergriffen, um das Virus einzudämmen – ob dies gelingt, kann zum jetzigen Zeitpunkt wohl noch niemand mit Gewissheit sagen. Wir müssen eingestehen, dass wir das Krisenpotenzial des Virus zu Beginn unterschätzt haben. Wir hatten gehofft, dass die aktuelle Epidemie einen ähnlichen Verlauf nehmen wird wie die SARS-Epidemie 2002/03 – diese Hoffnung hat sich mittlerweile leider in Luft aufgelöst. Das Horrorszenario einer Coronavirus-Pandemie wird immer wahrscheinlicher – mit kurzfristigen, aber dafür schwerwiegenden Folgen für die Wirtschaft. Aus China erreichen uns reihenweise Horrormeldungen. Zwischen dem 1. bis zum 16. Februar wurden in China nach Angaben des chinesischen Autoverbands CPCA gerade noch 4‘900 Autos verkauft. Im Vorjahr waren es noch gut 60‘000 Stück im gleichen Zeitraum. Das Land, so melden uns verschiedene Geschäftspartner, steht praktisch still. Kraftwerke wurden gedrosselt, der Reiseverkehr ist quasi zum Erliegen gekommen, Hotel, Restaurants und sonstige Freizeiteinrichtungen haben entweder ganz geschlossen oder sind nur äusserst spärlich besucht. Zwar wurden und werden vereinzelt die Produktionsstätten wieder hochgefahren. In der Summe sind die Produktionsunterbrüche dennoch enorm. Südkorea meldete jüngst einen Rückgang der Wareneinfuhren aus China um 50% – fast alles Vorprodukte, welche die koreanische Produktion zur Fertigstellung der eigenen Waren benötigt. Eine weitere grössere Gefahr wird derzeit an den Märkten noch zu wenig berücksichtigt. So berichten erste Markteilnehmer davon, dass der chinesische Immobilienmarkt einzubrechen drohe. Noch kann die chinesische Zentralbank, die People‘s Bank of China, das Schlimmste verhindern, indem sie Milliarden in den Markt pumpt. Man spricht von mehr als USD 300 Milliarden in den vergangenen Wochen. Bis jetzt wirkt diese Medizin. Jedoch zeigen die ersten griffigen Konjunktur-Indikatoren, wie sehr das Coronavirus auf der globalen Wirtschaft lastet. Wir fürchten, dass die globale Wirtschaft im ersten Quartal in eine regelrechte Schockstarre verfällt, welche den kompletten Industriezweig betrifft. An der Börse konnten die ersten Rückschläge infolge des Coronavirus zwar noch wettgemacht werden. Da nun aber die realwirtschaftlichen Folgen immer sichtbarer werden, fürchten wir eine zweite, massive Verkaufswelle an den Märkten – weltweit. Eine temporäre Schockwelle, welche im Verlauf der kommenden Monate aber wieder aufgeholt werden dürfte. Denn koordinierte Massnahmen der Notenbanken rund um den Globus sowie Konjunkturprogramme der Regierungen dürften die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie schnell wettmachen und das Wachstum im Jahresverlauf anschieben.
Konklusion:
Die kurzfristigen Marktverwerfungen treffen auch unsere Musterdepots hart. Wir bleiben investiert und haben unsere Stop-Loss-Limite fest im Blick.