
Der Crash-Tiefpunkt sollte hinter den Märkten liegen
Die ersten, belastbaren makroökonomischen Daten sind katastrophal schlecht. Dies sollte jedoch nicht überraschen. Infolge der Pandemie steht die globale Wirtschaft zu grossen Teilen still – ein Angebots- und gleichzeitiger Nachfrageschock trifft in Rekordzeit die weltweite Konjunktur. Eine Rezession im ersten Halbjahr 2020 scheint unausweichlich – die Frage, wie tief diese ausfallen wird, lässt sich aufgrund der fehlenden historischen Vergleichsdaten aber nach wie vor nicht seriös beantworten. Sicher scheint jedoch, dass sich vor allem die Konsumenten in den vergangenen Wochen massiv zurückgezogen haben. In den USA meldete der Detailhandel für März einen Umsatzrückgang von 8.7%, nachdem die Umsätze im Februar nur marginal gesunken waren. Dies war der stärkste Rückgang seit Beginn der Statistik im Jahr 1992. Im April und Mai dürfte es nicht viel besser laufen. Auch die ersten konkreten Daten aus der US-Industrie sind besorgniserregend. Die Produktion fiel im März um 6.3% im Vergleich zum Vormonat – dies ist der stärkste Rückgang seit 1946. Auch in der Schweiz ist die Stimmung der Konsumenten schlechter denn je. Gemäss einer Umfrage des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) beurteilen die Schweizer ihre finanzielle Lage so negativ wie seit den 1990er Jahren nicht mehr. Gemäss den Daten fiel die Stimmung der Konsumenten auf –40.0 Punkte. Im Januar lag sie noch bei –9.4 Punkten. Der Internationale Währungsfonds schreibt in seinem Weltwirtschaftsausblick: 2020 werde vermutlich die schlimmste Rezession seit der Grossen Depression in den 1930er Jahren bringen. „Diese Krise ist wie keine andere bisher.“ Solche Hiobsbotschaften belasten die Börse – aber bisher nur in einem erträglichen Rahmen. Dies deutet darauf hin, dass sich die meisten Anleger bereits auf katastrophale Konjunktur- und Bilanzzahlen im ersten Halbjahr 2020 eingestellt haben. An der Börse fokussieren wir uns auf die Zeit nach der akuten Pandemie. Denn in den grossen Wirtschaftsräumen flachte diese zuletzt merklich ab. Bereits wagen sich die ersten Länder in Europa aus dem Lockdown; die USA dürften bald folgen. Wir erwarten, dass sich die Wirtschaft auch dank der umfangreichen Schutzschirme, welche Regierungen und Notenbanken gespannt haben, vergleichsweise schnell fangen kann und die globale Wirtschaft 2021 einen Wachstumsschub erlebt – sofern weitere grosse Covid-19-Pandemiewellen ausbleiben und bald wirksame Behandlungsmethoden oder ein gar ein Impfstoff zur Verfügung stehen. Und die Liquiditätsschwemme wird auch an den Aktienmärkten den gewünschten Effekt haben – wie schon im vergangenen Jahrzehnt. Wir sind früh ins Risiko gegangen und haben unser Aktien-Exposure in der zweiten Märzhälfte rasch erhöht. Es ist zwar davon auszugehen, dass die Märkte nochmals kräftige Rückschläge erleiden. Der Tiefpunkt von Mitte März sollte allerdings nicht mehr erreicht werden. Entsprechend sollten sich Anleger von kurzfristigen Rückschlägen nicht verunsichern lassen.
Konklusion:
Neuerliche Rückschläge an den Aktienmärkten lassen sich zwar nicht ausschliessen. Die Tiefs von Mitte März 2020 sollten aber nicht mehr erreicht werden. Langfristiges Denken wird belohnt werden!