
Anleger müssen ihr Denken neu ausrichten
Wie vor wenigen Wochen an gleicher Stelle in Aussicht gestellt, haben die Märkte nochmals Gas gegeben und sind auf dem besten Weg, 2019 zu einem ausserordentlich guten Aktienjahr zu machen. Der SMI liegt gegenüber dem Stand zu Jahresbeginn mittlerweile fast 22% im Plus, der SPI kommt sogar auf einen Zuwachs von fast 26%. Damit liegen die beiden Schweizer Leitindizes auch im europäischen Vergleich weit vorne. Nach den schweren Verlusten im Vorjahr hatten wahrscheinlich nur die wenigsten Marktteilnehmer mit so einem Comeback an den Börsen gerechnet. Auch die aktuelle Jahresendrallye war in dieser Ausprägung nicht zu erwarten: Die Quartalszahlen sind gut, was aber vor allem an den tiefen Erwartungen liegt. Für sich genommen sind die Zahlenkränze bestenfalls solide. Auch die politischen Risiken sind in der Wahrnehmung der Anleger gesunken, auch wenn noch nichts in trockene Tücher gewickelt wurde. Was also treibt die Aktienkurse im Moment so stark an? Von Euphorie auf dem Handelsparkett ist trotz aller Kursgewinne im bisherigen Jahresverlauf nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Zweifel an der Rallye sind gross. Die Angst vor einem Crash ist spürbar, und dennoch steigen die Aktienkurse. Der Markt scheint von den menschlichen Emotionen mehr und mehr entkernt zu sein. Die Rallye, so schön sie auch sein mag, erscheint vor allem eines: artifiziell – künstlich geschaffen; von Handelssystemen und Algorithmen, denen menschliche Gefühle fremd sind. Erinnern Sie sich noch an die Novembertage im Jahr 2011? Damals kochte die Eurokrise auf ihrem Höhepunkt – die Zukunft der Währungsunion schien ungewisser denn je. Auf dem Handelsparkett herrschte Panik – es war ein emotionsgeladener Ausverkauf. Damals lag die Finanzkrise gerade einmal drei Jahre zurück und steckte allen noch in den Gliedern. Es war grosses Börsenkino – „blood, toil, tears and sweat“, um Sir Winston Churchill zu zitieren. Was aber folgte, sollte beispielhaft für die folgenden Jahre werden. In einem verdächtigen Rekordtempo erholten sich die Märkte – die Bären, die wenige Tage zuvor noch den Ton angaben, wurden regelrecht ins Schwert gestürzt. Das damalige V-Reversal war ein Witwenmacher. Und diesem Muster folgen die Märkte bis heute: Auf kurze Schockwellen folgen unerwartete Bullenmärkte. Ruhig, emotionslos, gnadenlos, störrisch, Schritt für Schritt treten die Käufer wieder in den Vordergrund und treiben die Märkte an. Es sind völlig emotionslose Märkte – von mathematischen Formeln angetrieben, die steigen, wenn die Mathematik es für richtig hält. Man muss und auch wir müssen lernen, damit umzugehen, dass wir fast nur noch mit Maschinen handeln. Denn eines haben uns die Algorithmen gebracht: Trends laufen länger und Muster sind zuverlässiger denn je. Anleger müssen entsprechend umdenken – gradlinig, mitgehend und wenn die Richtung sich ändert, dann muss man das Denken neu ausrichten – ganz emotionslos.
Konklusion:
Computer und Algorithmen bestimmen den Handel. Wir Menschen müssen angesichts dessen umdenken. Trends laufen länger und Muster sind zuverlässiger.