
Börsen werden zulegen – über Jahre hinweg
Die erneuten rigiden Massnahmen zur Eindämmung der SARS-CoV-2-Pandemie haben an den Börsen tiefe Spuren hinterlassen. Lockdown oder Mini-Lockdown wurden u.a. in Deutschland, Frankreich Österreich und mit grösseren Abstrichen auch in der Schweiz beschlossen, wobei hierzulande die Einschränkungen noch vergleichsweise massvoll erscheinen. Natürlich war der Handlungsdruck angesichts der explodierenden SARS-CoV-2-Neuinfektionszahlen gross, die Überlastung und damit der Zusammenbruch des jeweiligen Gesundheitssystems musste und muss unterbunden werden. An der Börse sorgten die neuerlichen Einschränkungen für massive Kopfschmerzen. Denn der ohnehin fragile Aufschwung, der in den Sommermonaten erst richtig Fahrt aufgenommen hatte, läuft bereits wieder Gefahr, durch die jeweiligen Lockdown abgewürgt zu werden. Die ersten Marktbeobachter prophezeien, dass der Konjunkturaufschwung bis zum Beginn des zweiten Quartals 2020 gebodigt sei – es droht damit eine Double-Dip-Recession in vielen Ländern Europas. Zumal der epidemiologische Nutzen des erneuten Lockdown durchaus bezweifelt werden darf. Denn verschwinden wird das Virus dadurch nicht – man gewinnt höchstens ein paar Wochen Zeit, bevor die Lage erneut zu eskalieren droht. Und dann ein neuer Lockdown und noch ein Lockdown? Wie lange kann dieses Spiel gut gehen? Irgendwann gibt es nichts mehr, das man „lockdownen“ könnte, weil alles wirtschaftliche Leben tot ist. Unternehmen – ob gross oder klein – können die Lockdown-Strategie nicht über Monate tragen. Daher erschiene es uns angebrachter, die Pandemie-Strategie den Begebenheiten anzupassen. SARS-CoV-2 ist und bleibt ein fester Bestandteil unseres Lebens – wir müssen lernen, damit zu leben. D.h., solange es keinen Impfstoff oder kein Medikament gibt, muss der Schutz der Risikogruppen in den Vordergrund gerückt werden. Mit Blick auf die Börsen sollten sich Anleger von dem jüngsten Getöse aber nicht verunsichern lassen. Auch wir mussten im Zuge der jüngsten Abverkäufe zwar einzelne Positionen aufgrund der gesetzten Stop-Loss-Limiten verkaufen. Grundsätzlich gilt aber nach wie vor der Grundsatz: Kaufen Sie, wenn das Blut in den Strassen fliesst. Denn egal wie stark die negativen Effekte der erneuten Lockdown-Massnahmen auf die Konjunkturerholung auch sein mögen, die Staaten werden nicht umhinkommen, ihre Stützungsprogramme wenn nötig nochmals deutlich auszuweiten, um zumindest die Wirtschaft nicht komplett ins Messer laufen zu lassen. Und auch die EZB wird ihr laufendes PEPP-Programm ausweiten – und zwar massiv. Wir rechnen mit einer entsprechenden Ankündigung spätestens noch vor Ende des Jahres. Kurzum: Der Markt dürfte in den kommenden Monaten und Jahren mit derart viel Liquidität geflutet werden, dass jegliche Rücksetzer schnell ausgebügelt werden. Zugleich dürfte damit eine Mini-Zinswende in ferne Zukunft gerückt sein. Das Ultra-Tiefzinsumfeld wird bis Ende des Jahrzehntes Bestand haben.
Konklusion:
Anleger sollten sich vom jüngsten Börsen-Gewitter nicht verunsichern lassen. Zur Not fluten Regierungen und Notenbanken die Märkte und Wirtschaft mit Billionen Euro.