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Jahr 2022

Aktienmärkte - Anlagekommentar

Wir favorisieren neu europäische Aktien-Investments
Es zeichnet sich an den internationalen Aktienmärkten ein neuerlicher Zeitenwechsel an. Standen nach dem Crash vor allem US-Aktien im Allgemeinen und US-Techwerte im Speziellen im Fokus der Anleger, scheint nun eine Umschichtungsbewegung Fuss zu fassen. Raus aus den USA, rein in Europa. Denn die Zweifel, dass die USA aufgrund der anhaltend hohen Neuinfektionszahlen mit SARS-CoV-2 – und damit verbunden neuen Lockdown-Anordnungen – wirklich eine v-förmige Konjunkturerholung erleben, wuchsen zuletzt deutlich. Die Stimmen, die vor einer längeren Krise in den USA warnen, wurden in den vergangenen Wochen lauter. Marktteilnehmer sind sich zunehmen sich, dass die fortschreitende Pandemie den wirtschaftlichen Aufschwung markant verlangsamen wird. Zugleich scheinen die europäischen Staaten die Pandemie etwas besser unter Kontrolle gebracht zu haben – auch wenn die Zahlen der Neuinfektionen auch in Europa jüngst wieder anstiegen. Dennoch traut man den europäischen Regierungschef zu, mögliche Ausbruchsherde besser unter Kontrolle bringen zu können. Dies ist auch am Währungspaar EUR/USA abzulesen. Seit Monaten verliert der als sicherer Hafen geltende Greenback an Wert, während die europäische Gemeinschaftswährung stetig an Gewicht erhält. Aber nicht nur die Pandemie-Entwicklung mahnt mit Blick auf die USA zur Vorsicht. Auch die laufende Berichtssaison im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zeigt, dass sich die Gesundheitskrise tief ins System gefressen hat. Zwar fallen bisher viele Zahlenkränze besser aus als erwartet, was aufgrund der sehr tiefen Erwartungen keineswegs eine grosse Überraschung ist. Viel mehr wecken die Ausblicke der Unternehmen Zweifel. Zwar sehen viele Unternehmen eine Aufhellung des operativen Umfelds. Von einer schwungvollen Erholung, wie man sie gegenwärtig vor allem in China beobachten kann, ist aber keine Rede. Sollte sich dieser Eindruck in den kommenden Wochen erhärten, könnten die in den vergangenen Monaten weit vorausgelaufenen Aktienkurse in den USA der neuen Realität angepasst werden. Einschränkend ist jedoch zu erwähnen, dass die immense Geldflut seitens der Notenbank Fed und der Trump-Administration eine überfällige Korrektur deutlich abmildern wird. Erschwerend kommt die politische Lage in den USA hinzu. Es zeichnet sich bereits ab, dass der Präsidentschaftswahlkampf schmutzig und hitzig wird. Amtsinhaber Trump könnte angesichts der Umfragewerte zu einer neuen aggressiveren Rhetorik gegenüber Wettbewerber Joe Biden und China greifen. Zugleich wird immer deutlicher, dass Europa auch wirtschaftlich besser durch die Krise kommt als die USA. Vor allem die Unternehmensausblicke erscheinen uns einen Tick optimistischer – wohl auch, weil die hiesigen Unternehmen weiter eine enge Bindung zu China innehaben.

Konklusion:
Wir vollziehen angesichts der Entwicklungen eine strategische Kehrtwende. Wir stufen den US-Markt auf „neutral mit negativem Ausblick“ zurück (siehe auch Seite 10). In Europa spielt künftig die Musik.