
Donald Trumps Spiel mit dem Feuer
Weltweit werden die Massnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie schrittweise zurückgefahren. Der Höhepunkt der humanitären Krise scheint vielerorts den Höhepunkt punkto Infektionsraten und Letalität überschritten zu haben. Es geht schrittweise zurück in die Normalität. Auch an der Börse leitet das Ende des „Great Lockdown“ eine neue Phase ein. Nach dem Crash zwischen Mitte Februar und Mitte März dieses Jahres legte der Markt eine eindrucksvolle Erholung hin. Der Nasdaq Composite erreichte Ende April den Stand, welchen er bei Ausbruch der Pandemie in China im Dezember 2019 erreicht hatte. Zur Erinnerung: Mitte März lag der amerikanische Technologieindex mehr als 23% im Minus; aktuell beläuft sich der Verlust auf weniger als 4%. Angesichts dieser Aufholjagd haben wir mehrfach darauf hingewiesen, dass zahlreiche Aktienmärkte für neuerliche, schmerzhafte Rückschläge anfällig seien. Bisher blieben diese zwar aus – einzelne schlechte Börsentage sind u.E. noch kein Hinweis auf einen Stimmungswechsel, sondern vielmehr Ausdruck steigender Gewinnmitnahmen. Aber wir fürchten, dass die Coronakrise nach der humanitären Krise nun in eine politische Krise einschwenkt – und dies deutlich schneller als wir befürchtet hatten. Wir hatten schon in den vorherigen Ausgaben von „the investor“ darauf hingewiesen, dass US-Präsident Donald Trump im Falle eines Wahlsiegs bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA China die Rechnung für die Pandemie vorlegen wird. Der Konflikt zwischen den beiden weltgrössten Volkswirtschaften droht nach den erzielten Fortschritten im vergangenen Jahr neu aufzuflammen – und es könnte noch wesentlich dramatischer und dreckiger werden als in den Vorjahren. Trump beharrt auf seiner Meinung, dass Sars-Cov-2 aus einem Labor in der Stadt Wuhan stamme – zwar gibt es dafür bisher keine Beweise, aber es gibt durchaus plausible Theorien in diese Richtung. Zwar schloss der amerikanische Geheimdienst aus, dass das Virus durch Menschen erschaffen wurde. Aber sie halten es für nicht ausgeschlossen, dass der Ausbruch der Lungenkrankheit Covid-19 auf einen Unfall in einem chinesischen Labor zurückgehen könnte. US-Präsident Trump nutzt diese Unsicherheiten und Spekulationen, um in der heissen Wahlkampfphase zu punkten. Er will seinen Wählern den Schuldigen für die Pandemie mit all ihren menschlichen und wirtschaftlichen Schrecken präsentieren und zur Rechenschaft ziehen. Dass Trump erneut Strafzölle auf chinesische Produkte ins Spiel brachte und Entschädigungsforderungen gegen China ins Feld führt, überrascht daher wenig. Im Falle eines Wahlsiegs dürfte er seinen Wirtschaftskrieg gegen China aber nochmals deutlich verschärfen. Diese aktuelle Entwicklung mahnt uns zur Vorsicht. Trump könnte in seinem Machtrausch die Weltwirtschaft mit neuerlichen Strafzöllen gegen China zusätzlich belasten. Wir bleiben auf der Hut und werden im Fall der Fälle schnell reagieren.
Konklusion:
Die Spannungen zwischen den USA und China sind deutlich gestiegen. Es droht eine neue heisse Phase im Konflikt zwischen den beiden Supermächten. Dies droht, die Erholung an den Märkten abzuwürgen!