
Zuletzt sorgte der europäische Flugzeughersteller Airbus wieder mit einer neuen milliardenschweren Bestellung für Aufsehen. Die Billigfluglinie IndiGo bestätigte ihre Order von 250 Passagiermaschinen vom Typ A320neo. So viele Maschinen seien noch nie zuvor auf einmal bei dem Flugzeugbauer bestellt worden, hiess es bei Airbus. Gemäss Listenpreis hat der Auftrag ein Volumen von USD 26.5 Milliarden. Auch in China zog Airbus einen gewichtigen Bestellauftrag an Land. An der Börse wurden die Nachrichten mit einem Achselzucken quittiert. Denn die Verwerfungen in China könnten sich sehr negativ auf Airbus auswirken. Sollte sich die Konjunkturschwäche in China auf die komplette asiatische Volkswirtschaft ausweiten, dürfte dies zu einer verringerten Reisetätigkeit führen und Airlines zu Orderverschiebungen oder gar -annullierungen zwingen. Ein weiterer Hinweis darauf, dass sich die Geschäfte der Flugzeugbauer langsam abschwächen, drückt sich in der sog. „book-to-bill-ratio“ aus. Diese Masszahl misst das Verhältnis von Bestellungen und Auslieferungen. Bei Boeing lag diese Zahl seit 2012 stets über 2 – für jede Auslieferung konnte Boeing zwei neue Bestellungen an Land ziehen. Doch der Trend hat sich merklich abgekühlt. Die Zahl der Auslieferungen liegt bei 439, die Orders aber nur bei 426. Es deutet sich an, dass die book-to-bill-ratio bereits in diesem Jahr auf einen Wert von 1 fallen könnte. Die jüngste Order aus Indien dürfte das Bild bei Airbus zumindest bezüglich dieser Masszahl wieder deutlich aufgehellt haben. Dennoch deuten die Zahlen darauf hin, dass der Bestellboom der letzten Jahre den Zenit mittlerweile überschritten hat. Die Aktie des Flugzeugherstellers liegt trotz der jüngsten Verkaufswelle mit einem Kursplus von fast 40% an der Spitze der Eurostoxx50-Werte. Allerdings droht der Titel die charttechnisch wichtige 200-Tage-Linie nach unten hin zu durchbrechen – dies könnte den Ausverkauf nochmal beschleunigen und die Aktie auf ein Niveau um EUR 52 drücken. Insgesamt scheint sich das Umfeld für die Flugzeughersteller einzudunkeln – für Schwarzmalerei ist es jedoch noch zu früh. Wir gehen davon aus, dass die chinesische Regierung in Peking bei einem sich verschärfenden Konjunkturabschwung entsprechende Stützungsprogramme aufgleist und somit die Gefahr eines globalen Abschwungs deutlich reduziert. Mit Blick auf Airbus empfehlen wir investierten Aktionären, den Titel bis auf weiteres zu halten. Mit einem KGV 2016 von 16 ist das Papier günstig gepreist. Aus unserer Sicht eröffnet der jüngste Kursrutsch nicht-investierten Anlegern die Chance, um in den Titel einzusteigen. Wir rechnen nach dem Ausverkauf mit einer starken technischen Gegenreaktion.
Konklusion:
Das Geschäftsumfeld für die Airline-Hersteller verliert leicht an Dynamik. Dies ist auf dem aktuellen Kursniveau jedoch bereits vollständig eingepreist. Airbus ist attraktiv bewertet.