
Der deutsche Sportartikelhersteller hat die Aktionäre mit dem vor wenigen Tagen vorgelegten Zahlenkranz für das zweite Jahresviertel 2018 geradezu in Verzückung versetzt. Hervorzuheben ist die Entwicklung der Profitabilität. Die operative Marge kletterte um gut einen Prozentpunkt auf 11.1%, womit Adidas dem unbestrittenen Platzhirsch Nike deutlich näher gerückt ist. Der US-Konzern galt über Jahre als das Nonplusultra bei den Renditen, während Adidas Mühe hatte, die Marke von 10% zu überwinden. Nun scheint CEO Kasper Rorsted aber die richtigen Hebel in Bewegung gesetzt zu haben, um diesen Abstand markant zu verkleinern. Auch beim Umsatz überzeugte Adidas. Die Erlöse wuchsen währungsbereinigt um 10%, in Euro war das Plus mit gut 4% auf EUR 5.3 Milliarden jedoch deutlich kleiner. Der Überschuss aus den fortgeführten Geschäften konnte um rund ein Fünftel auf EUR 418 Millionen erhöht werden. Dass der Konzern trotz des sehr gut verlaufenen ersten Halbjahres 2018 seine Prognosen für das Gesamtjahr nicht erhöhte, stiess einigen Marktteilnehmern zwar etwas bitter auf. Demnach soll der Umsatz währungsbereinigt um etwa 10% ausgeweitet werden. Beim Gewinn wird ein Plus von bis zu 17% angestrebt. Eine höhere Prognose sei gegenwärtig nicht angesagt, sie sei „realistisch und angemessen“, betonte der Manager. Insgesamt, so unser Fazit, überzeugen die Zahlen auf Konzernebene. Die Jahresziele erscheinen uns mit Blick auf die Profitabilität mittlerweile als konservativ. Allerdings zeigt Adidas auf regionaler Ebene eine zunehmende Diskrepanz, über die sich Anleger bewusst sein sollten. Denn sie birgt gewisse Gefahren – auch für den Aktienkurs. In den USA brummen die Geschäfte unvermindert weiter, wie das Umsatzwachstum von 16% zu konstanten Währungskursen zeigt. Adidas erobert damit mehr und mehr die Regale der amerikanischen Sporthändler. Auch in Asien verzeichnete Adidas im zweiten Quartal ein starkes Wachstum, insbesondere in China stehen die Konsumenten auf die Marke. Eine doch überraschende Schwäche hat Adidas hingegen auf dem europäischen Heimatmarkt. Im zweiten Quartal stagnierte der Umsatz, während die Haupt-Wettbewerber Nike und Puma kräftig zulegen konnten. Dies heisst: Adidas verliert in Europa Marktanteile. Und die Aussichten bleiben trübe. Hatte Rorsted zu Jahresanfang noch ein Wachstum von 5% in Europa angepeilt, ist davon mittlerweile keine Rede mehr. Neu rechnet Adidas nicht damit, auf dem Heimatmarkt wachsen zu können. Es werde noch dauern bis es in Westeuropa wieder aufwärts gehen werde, so Rorsted.
Konklusion:
Die Zahlen von Adidas waren stark. Der Konzern hinterlässt einen gesunden Eindruck. Es gilt aber die Entwicklung in Europa im Auge zu behalten. Enttäuschungen könnten die Aktie belasten.