
Die Aktie des deutschen Sportartikelherstellers ist in den zurückliegenden gut drei Wochen in eine ausgeprägte Schwächephase eingetreten. Notierte das Papier am 23. April noch bei über EUR 215, hat sich der Aktienkurs mittlerweile auf unter EUR 190 verbilligt – ein Abschlag von über 15%. Vor allem die vor wenigen Tagen vorgelegten Zahlen für das erste Quartal konnten nicht gänzlich überzeugen. Positiv war die Gewinnentwicklung im ersten Jahresviertel. Der operative Gewinn konnte um gut 17% auf EUR 746 Millionen ausgeweitet werden. Der Nachsteuergewinn stieg um 17.4% auf EUR 542 Millionen, womit die Analystenschätzungen geschlagen werden konnten. Allerdings – und dies wiegt momentan bei Adidas schwerer – fiel das Umsatzwachstum weniger dynamisch aus als auch schon. Der schwache US-Dollar drückte massiv auf das Wachstum. Nominal wuchsen die Erlöse im ersten Quartal nur um 2% auf EUR 5.55 Milliarden; bereinigt um Währungseffekte wäre der Umsatz um rund 10% angeschwollen. Wir halten die harsche Reaktion der Investoren auf die Quartalszahlen jedoch für eine Übertreibung. Denn die Story bei Adidas ist unseres Erachtens intakt. Vor allem in den USA entwickelt sich Adidas sehr erfreulich. Denn während die beiden Haupt-Konkurrenten Nike und Under Armour im ersten Quartal auf dem US-Markt mit Umsatzeinbussen kämpfen mussten – bei Nike sanken die US-Umsätze um 6% und auch Under Armour musste einen leichten Umsatzrückgang verbuchen – konnte Adidas die Umsätze auf dem wichtigen Markt im Jahresvergleich um gut ein Fünftel ausbauen und seine Marktanteile in dem nur leicht gewachsenen Gesamtmarkt stark ausbauen. Allerdings hat der Erfolg in den USA auch seine Schattenseite. Denn dieser ist durchaus teuer erkauft. So konnte Adidas Mitte April einen aufsehenerregenden Deal abschliessen. Der US-Chef von Adidas nahm die University of Washington unter Vertrag. Vom 1. Juli 2019 an werden die Athleten der Hochschule aus Seattle die Marke mit den drei Streifen tragen. Dafür muss Adidas aber tief in die Tasche greifen. Gemäss US-Medienberichten soll Adidas künftig pro Jahr USD 12 Millionen an die Universität überweisen – dreimal so viel wie bisher. Es überrascht daher nicht, dass Adidas auf dem US-Markt bisher punkto Rentabilität noch nicht am Ziel angelangt ist. Die operative Marge in der Region lag vergangenes Jahr bei gerade 10.9%. In Europa kam der Konzern mit den drei Streifen auf gut 20% und in China sogar auf 35%. Dass Adidas in Sachen Rentabilität auf Konzernebene dennoch auf dem richtigen Weg ist, zeigt die operative Umsatzrendite für das erste Quartal. Diese stieg von 11.6% auf 13.4%, womit Adidas sein ursprüngliches angepeiltes Jahresziel bereits deutlich überbieten konnte. Der Konzern peilt für 2018 eine Bandbreite von 10.3% bis 10.5% an, nach 9.8% im Vorjahr. Den Umsatz will Adidas im Gesamtjahr währungsbereinigt um 10% steigern. Auch wenn die Story also intakt ist, sollten Anleger die Charttechnik im Auge behalten. Denn die Aktie testet derzeit die wichtige 200-Tage-Durchschnittslinie, die sich derzeit im Bereich um EUR 187 bewegt. Sollte der Titel nachhaltig unter dieses Niveau abrutschen, drohen der Aktie in den kommenden Wochen weitere Verluste. Die nächste starke Unterstützung sehen wir erst wieder im Bereich um EUR 170.
Konklusion:
Die jüngsten Kursverluste sind eine Übertreibung. Die Story bei Adidas ist u.E. intakt. Die Charttechnik mahnt jedoch zur Vorsicht. Es drohen weitere Kursverluste in den kommenden Wochen.