
Der jüngst abgehaltene Capital-Markets-Day des Personalvermittlers hat die Bedenken auf Seiten der Aktionäre und Analysten nicht beseitigen können. Im Gegenteil sogar: Die Probleme des Unternehmens scheinen grösser und grösser zu werden. Denn nachdem der Konzern bereits seit geraumer Zeit mit einer enttäuschenden Margenentwicklung zu kämpfen hat, scheinen nun auch ausgewachsene Wachstumsprobleme auf den Personalvermittler zuzukommen. Sprach die Konzernführung bei der Präsentation der Halbjahreszahlen Anfang August noch davon, dass man in den Monaten Juni und Juli noch ein kombiniertes organisches Umsatzwachstum von 4% erzielt habe, hat sich das Wachstum im Juli und August auf 2% halbiert. Und die Tendenz zeigt weiter nach unten. Im September hat sich das Wachstum weiter abgeschwächt. Zum Vergleich: Adecco konnte zuvor über mehrere Quartale ein Wachstum zwischen 6% und 7% ausweisen. Angesichts der deutlich gestiegenen Konjunkturunsicherheiten, überrascht es nicht, dass Adecco weniger stark wächst. Erstaunlich ist hingegen die Dynamik, mit der sich das Wachstum zurückbildet. Zwar versuchte das Management, die Wogen zu glätten und verwies darauf, dass Adecco in einem grundsätzlich wachsenden Markt tätig sei, Marktanteile gewinnen wolle und zugleich an den Mittelfristzielen festhalte. Dies dürfte an der Börse jedoch keinen stabilisierenden Effekt haben. Es ist davon auszugehen, dass zahlreiche Analysten angesichts der markanten Wachstumsverlangsamung ihre Prognosen für Adecco nach unten revidieren, was die Aktie belasten dürfte. Zu der Wachstumsschwäche kommt erschwerend hinzu, dass Adecco bezüglich der ohnehin enttäuschenden Margenentwicklung wahrscheinlich noch weiter unter Druck gerät. Zwar hat sich der Konzern einem Sparprogramm verschrieben („GrowTogether“), welches ab dem Jahr 2020 Einsparungen in Höhe von EUR 250 Millionen einbringen soll und mit dem bereits in diesem Jahr EUR 50 Millionen eingespart werden sollen. Es ist allerdings davon auszugehen, dass das Sparprogramm auch zusätzliche Einmalaufwendungen bringen könnte (z.B. durch Entlassungen), womit die Restrukturierungskosten in diesem Jahr deutlich höher ausfallen als bisher mit EUR 200 Millionen veranschlagt sind. Zudem drohen weitere Vorabinvestitionen, um das Wachstum wieder anzuheizen. Die Margenentwicklung dürfte demnach auch in den kommenden Quartalen der Hauptdiskussionsstoff bleiben. Adecco hat unseres Erachtens deutlich zu wenig geliefert, um die Aktie als attraktiv zu bewerten. Aufgrund der hohen Kursverluste in diesem Jahr scheint das weitere Abwärtspotenzial jedoch begrenzt, was uns zu einer relativ milden „Halte“-Empfehlung führt.
Konklusion:
Adecco lieferte am Capital-Markets-Day keine Kauf-Argumente. Der Konzern erhöhte durch seine Ausführungen sogar die Unsicherheiten.