
Dass die nächste Stufe der Digitalisierung, das Internet der Dinge, über ein grosses wirtschaftliches Potenzial verfügt, ist bekannt. Dass ABB dieses Feld nun aufrollen und zu einer mitführenden Kraft werden will, ist jedoch eine Erwähnung wert. Mit der Schaffung der Marke „ABB Ability“ hat der Konzern, dessen Wurzeln im klassischen Maschinenbau liegen, dieser Neuausrichtung nun auch einen eigenen Namen gegeben. Rund 180 Produkte rund um das Thema Digitalisierung bietet ABB Ability. CEO Ulrich Spiesshofer spricht von ABB gerne als einem versteckten digitalen Champion. Denn viele Beobachter unterschätzen das Potenzial, dass die Digitalisierung für die ABB-Geschäfte haben könne. Mittlerweile habe der nächste Schritt der Digitalisierung auch jene Sparten ergriffen, die bisher eher am Rande dieser Entwicklung standen – die intelligente Stromversorgung, Automatisierung von Produktionsprozessen oder die Digitalisierung in Gebäuden. Allesamt Bereiche, in den ABB bereits stark verankert ist. Bei ABB schätzt man, dass aus der Digitalisierung bis zum Jahr 2025 Mehreinnahmen von bis zu USD 20 Milliarden generiert werden könnten.
Natürlich sind solche langfristigen Prognosen immer mit einer guten Portion Skepsis zu betrachten. Jedoch könnten sie ein Hinweis darauf sein, wohin die Reise beim Schweizer Industriekonzern langfristig gehen könnte. Die Digitalisierung könnte bei ABB endlich das Ende des Konglomerats und den Beginn der Fokussierung auf aussichtsreiche Geschäftssparten einläuten. Derzeit ist der Konzern in vier Divisionen aufgegliedert: Elektrifizierungsprodukte, Power Grids, Robotik/Antriebe und Industrial Automation. Seit Monaten halten sich Forderungen, dass der Konzern eine Aufspaltung in eine Elektro- und eine Automatisierungsfirma vornimmt – auch um der seit Jahren trägen Aktie auf die Sprünge zu helfen. Die Digitalisierung könnte somit als eine Art Katalysator dienen: Sparten, die ABB mithilfe der Digitalisierung keinen deutlichen Wachstumsschub geben, könnten früher oder später abgespalten oder in ein Tochterunternehmen ausgegliedert werden.
Das Schweizer Traditionsunternehmen ist derzeit – neben anderen im Umbruch befindlichen Gross-Industrieunternehmen (wie z.B. Siemens) – eine der spannendsten Geschichten am Markt. Noch wehrt sich die Konzernspitze nach aussen hin gegen eine Neuaufstellung des Konzerns. Doch die Digitalisierung wird eine Neudefinition, für was ABB eigentlich stehen möchte, notwendig machen. Wir schätzen, dass ABB in den kommenden Jahren einen grundlegenden Wandel durchmachen wird.
Konklusion:
Sollte sich ABB zu einer grundlegenden Neuausrichtung durchringen, dürfte sich die Kurserholung dynamisch fortsetzen. Kurzfristig
bleiben die fundamentalen Aussichten aber eher trübe.