
Wir hatten in Ausgabe 20/2017 auf die eher trüben Geschäftsaussichten des Unternehmens verwiesen, zugleich aber auch auf die langfristigen Chancen des Unternehmens verwiesen. Die jüngst vorgelegten Zahlen für das zweite Quartal 2017 haben unsere Sichtweise bestätigt. Mit Ausnahme des Auftragseingangs lagen alle wichtigen Eckpunkte des Zahlenkranzes unter den Erwartungen. Die Quartalserlöse in Höhe von USD 8.5 Milliarden lagen gut 1% unter der Konsensschätzung der Analysten, das operative Ebita lag bei USD 1.04 Milliarden, was rund 4% unter der Durchschnittserwartung lag. Daraus ergab sich eine Marge von 12.3%, was gut 30 Basispunkte unter den Erwartungen lag – ein Punkt, der für die starke Verkaufswelle in Folge der Zahlenvorlage besonders belastete. Auch der um 30% höhere Gewinn pro Aktie muss mit Vorsicht genossen werden. Denn dieser Anstieg ist vor allem auf Aktienrückkäufe zurückzuführen. Einen kleinen Lichtblick bildet der Auftragseingang, der mit USD 8.3 Milliarden gut 1% über den Erwartungen lag. Allerdings muss einschränkend bemerkt werden, dass dies vor allem auf die Sparten „Industrial Automotive“ (+4%) und „Corporate and Other“ (+10%) zurückzuführen ist. Analysten geisseln dies jedoch als qualitativ schlecht. Zudem sind Grossaufträge weiter Mangelware: Gerade einmal USD 668 Millionen der gesamthaft USD 8.3 Milliarden entfallen auf dieses Segment. Einerseits spiegelt sich darin die Zurückhaltung der Kunden wider, die angesichts der tiefen Energiepreise (vor allem Erdöl) auf Grossprojekte verzichten. Andererseits verzichtet ABB bewusst auf solche Aufträge, um das operative Risiko zu reduzieren. Positiv ist zudem, dass das 2015 initiierte Sparprogramm deutlich höher ausfallen wird als ursprünglich erwartet. Statt der anvisierten USD 1.0 Milliarden dürften es nach Angaben des Unternehmen USD 1.3 Milliarden sein. Wir gehen davon aus, dass das Jahr 2017 ein weiteres Übergangsjahr für den Schweizer Industriekonzern wird. Angesichts der Q2-Zahlen muss damit gerechnet werden, dass die Analysten in den kommenden Tagen und Wochen ihre Schätzungen leicht nach unten anpassen. Dies könnte die Aktie immer wieder belasten. Wir erwarten jedoch, dass ABB seine starke Verankerung in den Zukunftssparten intelligente Stromversorgung, Automatisierung von Produktionsprozessen oder die Digitalisierung in Gebäuden nutzen kann, um langfristig das Wachstum wieder deutlich zu beschleunigen. Das Schweizer Traditionsunternehmen ist derzeit eine der spannendsten Geschichten am Markt. Noch wehrt sich die Konzernspitze nach aussen hin gegen eine Neuaufstellung des Konzerns. Doch die Digitalisierung wird eine Neudefinition, für die ABB eigentlich stehen möchte, notwendig machen. Wir schätzen, dass ABB in den kommenden Jahren einen grundlegenden Wandel durchmachen wird.
Konklusion:
Die kurzfristigen Aussichten sind trübe. 2017 wird somit ein Übergangsjahr. Dennoch sollten langfristig orientierte Anleger das Papier halten. ABB könnte 2018 eine nachhaltige Wende einleiten.